BAM! - Berliner Festival für aktuelles Musiktheater

Berlin markiert international eines der wichtigsten Zentren neuen Musiktheaters. Abseits seiner drei Opernhäuser entwickelte sich in relativ kurzer Zeit hier eine freie Musiktheaterszene, die ihres gleichen sucht. Wohl nirgendwo gibt es eine größere Anzahl von Ensembles, Gruppen und Einzelakteuren, die sich, fernab der Oper, Wegen eines alternativen Musiktheaters verschrieben haben. Weder in Wien, Amsterdam oder New York wird intensiver und wagemutiger experimentiert an neuer Verbindung von Klang und Theateraktion.

BAM! ist das Festival dieser freien Musiktheaterszene Berlins. Unter maßgeblicher Förderung des Hauptstadtkulturfonds und mit Unterstützung der Schering Stiftung und der Rudolf Augstein Stiftung wird BAM! organisiert und ausgetragen vom Verband „Zeitgenössisches Musiktheater Berlin“, in dem sich das freie Musiktheater Berlins vor drei Jahren zusammengeschlossen hat. Mit einem Marathon von 14 Uraufführungen und insgesamt mehr als 30 Aufführungen an einem verlängerten Wochenende entsteht mit BAM! erstmals eine Plattform, die unterschiedlichste Akteure, Ansätze und Ästhetiken zu einem Kaleidoskop kontrastierender Ausblicke auf ein Musiktheater unserer Tage vereint. Seine Austragung findet das Festival in einem eng umgrenzten Bereich zwischen Oranienburger und Invalidenstraße in Berlin-Mitte. Auf Sichtweite kann das Publikum von einer Aufführung in die nächste taumeln, sich neu immer wieder begegnen und in der Festival-Lounge zum Austausch treffen.

Die Berliner Musiktheaterszene ist international, BAM! vereint Akteure aus aller Herren Länder. Protagonisten sind nicht nur Theatertruppen, sondern auch Ensembles für zeitgenössische Musik wie Kaleidoskop oder Mosaik, die sich mit ihrer Arbeit ins Feld des Interdisziplinären wagen. Projekte, die den Weg zum Theater vom Idiom zeitgenössischer Musik her suchen (wie etwa die der Komponisten François Sarhan, Georg Nussbaumer, Karen Power, Makiko Nishikaze, Evan Gardner), kontrastieren mit solchen, die zunächst vom Theater aus gedacht erscheinen, sich der Dekonstruktion und Rekomposition von überbrachtem musikalischem Material verschreiben. Im gleichberechtigten Auftritt beider spiegelt sich die Vielfalt der Berliner Musiktheaterszene, findet BAM! gleichzeitig ein Alleinstellungsmerkmal, das es von den wenigen anderen europäischen Festivals für zeitgenössisches Musiktheater unterscheidet.

Elemente von Performance Art, Installation und immer wieder auch solche des Immersiven vereinen sich bei BAM! zu einem Theater, das seinen Fokus im Klanglichen findet. Gemeinsames Kennzeichen aller präsentierten Projekte ist die Sehnsucht beteiligter Akteure, Grenzen von Professionalisierung zu überwinden auf der Suche nach einem revidierten Selbstverständnis ihrer Arbeit. Spiegelt sich dies einerseits in den flachen Hierarchien und im Aufgaben-Sharing künstlerischer Teams sowie in der Tatsache, dass etwa Komponisten wie Nussbaumer und Sarhan mit gleichem Recht auch als bildende Künstler und Regisseure auftreten, so andererseits auch darin, dass Musiker sich in den meisten dieser Projekte als Theaterperformer ins Fachfremde wagen.

Innerhalb des Programms von BAM! wird vor allem ein Bestreben ansichtig – der Versuch, in Abgrenzung vom abstrakten Musiktheater der Avantgarde zu neuen Methoden eines Erzählens zu finden. Unterschiedlichste Wege werden dabei beschritten, fast immer richtet sich die Thematik dabei auf soziale Problemstellungen unserer Zeit. Auffällig dabei ist ein Rückbezug auf Musiktheatergeschichte, wie er in entsprechender Häufigkeit vor wenigen Jahren noch kaum vorstellbar gewesen wäre. Keine Opern werden bei BAM! gespielt, allenthalben aber tauchen Referenzen auf Oper mit auf – nicht nur bei gamut inc., in der Fidelio-Dekonstruktion der Gruppe Hauen und Stechen, den Bezügen auf Madame Butterfly bei Müller/Rinnert oder in Nussbaumers „Opernwürfel“, der gleich die gesamte Operngeschichte schreddert. Weit mehr als der älteren kommt es einer jungen Generation unabhängiger Musiktheatermacher in Berlin heute offenbar darauf an, durch eine Beschäftigung auf Meta-Ebene die alte Kluft zwischen Oper und neuem Musiktheater zu schließen.

Ein wesentliches Thema bezieht BAM! aus dem Besonderen seines Areals, in dem größere freie Spielstätten, wie Sophiensaele, Villa und Kirche St. Elisabeth, sich mischen mit den wenigen noch verbliebenen Bastionen alternativer Subkultur in Berlin-Mitte (Acker Stadt Palast, Z-Bar, Club der Polnischen Versager) und in dem andererseits – wie im Fall der Projekte von Kirsten Reese und Meriel Price – ausgegriffen wird auf site-spezifische Bespielung von Stadtraum. Die freie Musiktheaterszene Berlins, das zeigen alle von BAM! präsentierten Theaterarbeiten, besitzt ein waches gesellschaftspolitisches Bewusstsein, gleich mehrfach thematisieren Projekte dabei auch die Gentrifizierung dieses Stadtbereichs.

Ensembles

Ensemble Mosaik, Glanz&Krawall, Hauen und Stechen, Gamut Inc., Opera Lab Berlin, Katharina Haverich/Christopher Hotti Böhm, Solistenensemble Kaleidoskop, Neo Hülcker/Stellan Veloce, Maulwerker, Johannes Müller/Philine Rinnert, Kirsten Reese/David Wagner, Meriel Price, Francois Sarhan, Kötter/Seidl

Aufführungsorte

Sophiensaele, Werkhaus Heckmann-Höfe, Villa Elisabeth, St. Elisabeth-Kirche, Acker Stadt Palast, ACUD, Kunsthaus KuLe, Z-Bar, Club der Polnischen Versager u.a.

www.bam-berlin.org