Ultraschall Berlin

Im Laufe dieser zwei Jahrzehnte hat das Festival manche Metamorphose durchlaufen. Und ist sich doch in seinem Grundgedanken treu geblieben. Von Anfang an war Ultraschall Berlin ein Festival, das jüngst entstandene Werke in einen musikhistorischen Kontext einbindet, der bis zu den Anfängen der Nachkriegs-Avantgarde zurückreicht, also mittlerweile immerhin einen Zeitraum von mehr als 70 Jahren umfasst. Zwar hat in den letzten Jahren die Zahl der Ur- und Erstaufführungen, auch der vom Festival in Auftrag gegebenen Werke erkennbar zugenommen – dennoch bleibt dieser doppelte Ansatz auch weiterhin für das Festival gültig: aktuellen Tendenzen der zeitgenössischen Musik ein Forum zu bieten, und zugleich diese aktuellen Produktionen einzubinden in ein musikgeschichtliches Kontinuum.

Im Jubiläumsjahr ist dieser Charakterzug noch ein wenig stärker ausgeprägt. Zum Beispiel mit zwei Konzerten, die sich explizit auf die Ära (und die Klangwelt) analoger Synthesizer beziehen. Mit der aufwändigen Rekonstruktion eines Stücks für Tonband und Synthesizer, gewissermaßen einem musikarchäologischen Forschungsprojekt, dem Versuch einer historischen Aufführungspraxis der (fast noch) Gegenwart. Und mit der virtuosen Emulation (oder Simulation?) analoger Synthesizer-Welten durch elektronische Mittel von heute. Beide Konzerte nehmen unverkennbar eine Tendenz der letzten Jahre auf. Je mehr sich die digitale Revolution beschleunigt und alle Lebensbereiche durchdringt, desto stärker wird offenkundig auch eine Sehnsucht nach den alten Technologien und nostalgisch konnotierten analogen Klängen.

Zugleich wird die Zerstreuung größer, sorgen die sozialen Medien für eine Auflösung dessen, was in Vorzeiten ›Muße‹ genannt wurde. Auch die Neue Musik ist von diesen Strömungen erfasst. Ein Festival wie Ultraschall Berlin kann und will vor solchen Entwicklungen nicht die Ohren verschließen.
Gleichwohl setzt das Festival hier ganz bewusst einen Kontrapunkt zu Tendenzen der jüngeren Zeit. Nicht die extensive zeitliche Ausweitung von Hörfeldern, sondern die Intensivierung und die Konzentration auf das genaue Hören ist unser Ziel – ein Bekenntnis zum ›kritischen Hören‹, einem selbstbewussten und seines Selbst bewussten Hören und Begreifen dessen, was zeitgenössische Künstler zu sagen haben. Dafür ist die Qualität der musikalischen Aufführung eine unverzichtbare Voraussetzung. Erst die bestmögliche Interpretation schafft die Möglichkeit, hinter dem unmittelbar Klingenden das zu verstehen, worum es – im Medium der Musik – den Künstler*innen geht. Und so bürgen auch in diesem Jahr wieder die eingeladenen Ensembles für jene interpretatorische Qualität, die uns immer am Herzen liegt.

20 Jahre Ultraschall Berlin – das heißt auch: 19 Jahre Zusammenarbeit mit dem Berliner Künstlerprogramm des DAAD. Ein Konzert mit Werken von Frangis Ali-Sade im Jahr 2000, dem zweiten Festivaljahrgang, stand am Beginn dieser außerordentlich produktiven Zusammenarbeit. Seitdem haben zahlreiche Gäste des Künstlerprogramms bei Ultraschall Berlin vielschichte Porträts erhalten, die gelegentlich – wie bei Simon Steen-Andersen – sogar zum Ausgangspunkt einer größeren Karriere wurden. Mit einem Orchesterstück von Tona Scherchen-Hsiao erlauben wir uns in diesem Jubiläumsjahr eine Rückschau und würdigen die erste Komponistin, die überhaupt in den Genuss dieses Stipendiums kam, im Jahr 1977, anderthalb Jahrzehnte nach Gründung des Programms.

Und natürlich sind nicht zuletzt die Orchesterkonzerte ein Markenzeichen von Ultraschall Berlin. Deutsches Symphonie-Orchester Berlin und Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin sind von Anfang an, seit dem Jahr 1999, fester Bestandteil der Festival-Dramaturgie. Traditionell ist das DSO Berlin mit zwei Konzerten im Festival vertreten, in diesem Jahr erteilt das RSB zum ersten Mal einen Kompositionsauftrag für ein neues Werk, das im Rahmen des Festivals seine Uraufführung erlebt.

Fünf Festivaltage mit insgesamt 14 Konzerten stellen alle Beteiligten, die Interpreten wie auch das Publikum, vor Herausforderungen. Die Tage sind dicht gepackt, aber sie bieten auch die Möglichkeit zum Austausch über das Gehörte. So werden die Konzerte von Gesprächen mit den Künstler*innen begleitet, und auch das Schülerprojekt der UltraschallReporter wird fortgeführt.

Die nächste Ausgabe von Ultraschall Berlin findet vom 16. – 20.01.2019 statt.

www.ultraschallberlin.de