Grafik: Henning Wagenbreth
Mi, 27/02/2019, 20:00 Uhr
Konzert / Improvisation

Andromeda Mega Express Orchestra


Neue Orchesterformen I/III

Am 27. Februar 2019 bringt das 18-köpfige Andromeda Mega Express Orchestra (AMEO) aus Berlin die Uraufführung seines neuen Programms auf die Bühne des Heimathafens Neukölln. Das 2006 gegründete Ensemble, von jeher lebendiger Stilcluster und „genresprengendes Faszinosum“ (FAZ), lotet nun Schnittstellen zu Soundart und Ambient aus. Ein raffiniertes Spiel mit Klangfarben und Texturen prägt die neuen Stücke ebenso wie offene Arbeitsprozesse, die spontane Gestaltung und kollektive Kreativität betonen. Das Konzert bildet den Auftakt zu AMEOs dreiteiliger Reihe „Neue Orchesterformen“, die im September und Dezember des Jahres mit verschiedenen konzeptionellen Schwerpunkten fortgesetzt wird.

Daniel Glatzel: Komposition, Tenorsax, Klarinette, Bassklarinette /// Laure Mourot, Oliver Roth: Piccolo-, Quer-, Alt- & Bassflöten /// Johannes Schleiermacher: Baritonsax, Flöten /// Viktor Wolf: Klarinette, Bassklarinette, Kontrabassklarinette, Flöten /// Mangus Schriefl, Johannes Böhmer: Trompete /// Till Künkler: Posaune /// Jörg Hochapfel: Synthesizer, Klavier /// Anna Viechtl: Harfe /// Kalle Zeier: E-Gitarre /// Oliver Potratz: Bass /// Maria Schneider: Vibraphon, Perkussion /// Andi Haberl: Schlagzeug /// Fabiana Striffler: Violine /// Grégoire Simon: Violine, Live-Elektronik /// Martin Stupka: Bratsche /// Isabelle Klemt: Cello


Mit seiner Reihe „Neue Orchesterformen“, die aus drei konzeptionell sehr unterschiedlichen Abenden besteht, erschließt das Andromeda Mega Express Orchestra sich selbst und seinem vielschichtigen Publikum neue ästhetische Horizonte. Erstmals kann das Ensemble innerhalb eines Jahres drei Varianten von Spielarten zeigen, die gewohnte Orchesterformen in ihren Grundlagen aufbrechen und erneuern.
Den Auftakt bildet das Konzert am 27. Februar im Heimathafen Neukölln. Hier wird das AMEO einen Sound kreieren, der so bislang noch nicht von ihm zu hören war. Im September folgt eine synästhetische Performance, die aus Klängen, Licht und modernen Projektionstechniken ein suggestives Gesamtkunstwerk entwickelt. Im Dezember werden die „3. Kosmostage“ im Radialsystem stattfinden. Das in vielfacher Hinsicht grenzenlose Festival präsentiert Werke des revolutionären Klangkünstlers Harry Partch inklusive dessen faszinierender Instrumente, Uraufführungen sowie Kooperationen von AMEO-Musikern mit Festivalgästen wie Stian Westerhus, Jimi Tenor, Minhee Park (Gagok-Sängerin aus Korea) und anderen.

Das neue Konzertprogramm, das im Heimathafen Neukölln präsentiert wird, wurde von Orchesterleiter Glatzel in den vergangenen 12 Monaten in enger Zusammenarbeit mit dem Ensemble entwickelt. Viele Facetten des Repertoires steuern das AMEO in neue ästhetische Richtungen. Während sich frühere Produktionen meist durch akribisch notierte Komplexität, rasante Wechsel und raffinierte Verdichtung auszeichneten, setzen die aktuellen Stücke andere Akzente. Sie erweitern den charakteristischen AMEO-Sound um transparentere Arrangements und unkonventionelle Instrumentierungen, etwa in der Kombinationen von vier Flöten in unterschiedlichen Lagen. Ebenso gehören erweiterte Spieltechniken dazu, mit denen die Musiker*innen Soundeffekte erzeugen, die sonst aus elektronischen Effektgeräten kommen. „Wir spielen mehr denn je mit Kombinationen von Klangfarben und Texturen, ihren Konnotationen und Potentialen, und dem Umgang mit ihnen als improvisatorisches Ausdrucksmittel“, erklärt Glatzel, „dabei streben wir eine organische Form und Flexibilität im Ablauf der Stücke an.“

Als Leitmotiv für die neue Produktion, die später auch als Album erscheinen soll, stand eine grundsätzliche Überlegung: Wie können große heterogene Gefüge miteinander harmonieren und spontan Musik kreieren, in der gleichzeitig Form respektiert und Freiheit gelassen wird? Der kollektive Entstehungsprozess, der zu einer Flexibilität in der Formgebung führt, wurde zu einem wesentlichen Aspekt des neuen Repertoires. Ziel war die Balance zwischen Komposition und individueller sowie gemeinsamer Kreativität. Selbstverständlich trugen die Mitglieder des AMEO schon früher substantiell zum unverkennbaren Sound des Orchesters bei. Heute haben sie erweiterte Entscheidungskraft und mehr Verantwortung.

Die Partituren lassen Freiräume für Fantasie und Gestaltungswillen, meist innerhalb bestimmter Rahmen, etwa bildlichen Spielanweisungen mit bestimmtem Tonmaterial. Eine solche Anweisung kann beispielsweise einzelnen oder mehreren Instrumenten vorgeben, anderen wie Schatten zu folgen. Impulse für die Ausformulierung der Musik können folglich von allen ausgehen. „Man kann es sich ein wenig wie eine Landkarte vorstellen, auf der bestimmte Orte markiert sind, die erreicht werden sollen“, erläutert Daniel Glatzel, „die Wege dorthin dürfen aber auf unterschiedliche Weise genommen werden.“

Die Strukturen des Klangmaterials zu beachten und Improvisationen als kreativen, essentiellen Teil des jeweiligen Stückes einzusetzen, steigert naturgemäß die Spannung in Konzerten. Jede Aufführung des neuen Programms wird nicht nur in Nuancen anders klingen. Instrumentalisten, die im Jazz und improvisierter Musik verankert sind, ist ein solcher Ansatz natürlich vertraut. Hingegen erscheint es vielen von ihnen eher ungewöhnlich, bei reduzierten Einsätzen nicht automatisch an Expressivität und Spiellust zu verlieren. Fast umgekehrt verhält es sich im Allgemeinen bei Musiker*innen aus dem Bereich Klassik und Neue Musik. „Die oft zitierten Genre-Übergriffe sind auf vielen Ebenen noch unerforscht“, konstatiert Daniel Glatzel. „Wir arbeiten seit 12 Jahren ständig daran, Denkweisen aufzubrechen und neue Perspektiven aufzuzeigen. Uns selbst und unserem Publikum.“
Das Konzert „Neue Orchesterformen I/III“ und ihre einzelnen Produktionen werden vom Berliner Senat, dem Musikfonds, dem Hauptstadtkulturfonds u.a. gefördert.

https://www.heimathafen-neukoelln.de/spielplan?url=andromeda19

  • Heimathafen Neukölln
  • Karl-Marx-Str. 141, Berlin
  • Ticketpreis: Tickets 20€, erm. 17€ (Abendkasse)
  • Ticketverkauf