Dieter Appelt, "Partitur No. 27B", 2018, Federzeichnung, ink drawing, 70 × 50 cm / 27 1/2 ×
Sa, 26/01/2019 - Sa, 09/03/2019
Longplay

Dieter Appelt


Sound Fields

Für die Ausstellung »Sound Fields« hat der Künstler Yannick Hofmann drei grafische Partituren von Dieter Appelt vertont (27b, 34 und 52).

Dieter Appelts komplexes Werk, in das auch immer essentielle visuelle, körperliche und musikalische Erfahrungen und Überlegungen einfließen, zeigt Appelts fortwährende Beschäftigung mit Themen wie Aufzeichnung, Sequenz, Wiederholung und Beobachtungen von Raum und Zeit. Der 1935 in Niemegk bei Potsdam geborene Appelt studierte zunächst Musik und Gesang in Leipzig und Berlin, bevor er das Kunststudium an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin begann. Erst Ende der Siebzigerjahre widmetet er sich vollständig seiner Kunst, die Fotografie, Film, Aktionskunst, Skulptur, Malerei und Zeichnung umfasst. Seit einigen Jahren arbeitet Appelt intensiv und vorrangig im Medium der Zeichnung. In seinen metrisch-strukturierten Federzeichnungen verdichten sich feine, fließende Linien rhythmisch zu Wirbeln und Wolkenformen, die durch farbige Akzente wie Punkte oder Quader überlagert und geordnet werden. Mit ihnen erzählt er von der Möglichkeit, starre Zeichen aufzulösen, in Bewegung zu bringen und in Klang zu verwandeln. Die offene und gleichzeitig regelmäßige Struktur der farbigen Akzente und Leerstellen diktiert den Rhythmus.

Im Rahmen eines computerbasierten Verfahrens sind Appelts Federzeichnungen zunächst digitalisiert und in ein Graustufenbild mit invertierten Farben verwandelt worden. Um 90° gegen den Uhrzeigersinn gedreht, sind diese Digitalisate auf ein rechtshändiges kartesisches Koordinatensystem übertragen worden, auf dessen X-Achse die Zeit und auf dessen Y-Achse das klangliche Frequenzspektrum dargestellt werden. Die Grafische Partitur ist anschließend entlang der X-Achse vom Computerprogramm ausgelesen und eine digitale Wellenform synthetisiert worden. Die Positionen von Bildpunkten auf der Y-Achse zum Zeitpunkt X korrelieren mit den Frequenzen (Tonhöhen) der synthetisierten Schwingungen und die Hell-Dunkel-Werte der Bildpunkte korrelieren mit deren Amplitude (Lautstärke): Je heller die Bildpunkte, desto lauter die Amplitude der Schwingungen.

Klänge, Töne und Geräusche setzen sich aus Frequenzen zusammen, deren vom Menschen hörbares Spektrum von etwa 20 Hz bis 20000 Hz (20 kHz) reicht. Für die Vertonungen der drei vorliegenden Partituren wurde ein Spektrum von 20 Hz bis 1 kHz (Tiefbass-, Oberbass-, Grundton- und Mitteltonbereich) ausgewählt, was etwa den Frequenzbereich vom tiefsten Ton eines E-Basses bis zum höchsten Ton des höchsten Blechblasinstruments, der Trompete, abdeckt.

Yannick Hofmann (geb. 1988 in Offenbach am Main) ist ein interdisziplinärer Künstler und Kurator. Er arbeitet am ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe als Projektleiter im Bereich Forschung & Produktion und lehrt am Fachbereich Media Arts & Sciences an der Hochschule Darmstadt.

  • Dieter Appelt: »Partitur 27B« Federzeichnung (2018)
  • Dieter Appelt: »Partitur 34« Federzeichnung (2018)
  • Dieter Appelt: »Partitur 52« Federzeichnung (2018)

Yannick Hofmann, Vertonung

Für die Ausstellung »Sound Fields« hat Yannick Hofmann drei Partituren von Dieter Appelt vertont. Hofmann ist ein interdisziplinärer Künstler und arbeitet am ZKM Karlsruhe sowie am Fachbereich Media Arts & Sciences der Hochschule Darmstadt.

https://www.galeriethomasschulte.de/

  • Einführung: 25.01.2019, 19 Uhr
  • Galerie Thomas Schulte
  • Charlottenstr. 24, Berlin
  • Barrierefreiheit: Sehbehinderung und Blindheit / motorische Einschränkungen / Hörbehinderung / kognitive Einschränkungen