Khyam Allami. Photo: Johann Elssa
Do, 31/01/2019, 19:00 Uhr
Konzert

CTM 2019: Khyam Allami, Rabih Beaini & Pouya Pour-Amin Ensemble


Konzert im Rahmen des CTM 2019 Festivals – Persistence

Als Musiker, Musikwissenschaftler und Betreiber des Labels Nawa Recordings setzt sich Khyam Allami für neue Formen arabischer Musik ein. Dabei adressiert er auch die Voreingenommenheit gängiger Musiktechnologie, die, zumeist in westlichen Ländern entwickelt, alles andere als kulturell neutral ist. Grundlage des Stückes „Kawalees: Part II“ für Hybrid-Piano und Elektronik, das der im Irak geborene Musiker beim CTM 2019 uraufführen wird, ist „Comma“, ein von Allami entwickeltes Plugin für Ableton Live, das die weltweit populäre Musiksoftware endlich auch für Künstlerinnen nutzbar machen soll, die in den Traditionen nahöstlicher Musik zu Hause sind. Erstmals können mit Comma mikrotonale Stimmungen in Echtzeit verändert werden, ein Feature, dessen Fehlen in allen gängigen Musiksoftwares es Musikerinnen bisher verunmöglicht traditionelle arabische Modi zu spielen. Mit Kawalees und Comma reflektiert Allami nicht nur fortdauernde kulturelle und ökonomische Asymmetrien zwischen verschiedenen Teilen der Welt, sondern präsentiert einen praktischen Vorschlag, um diese zu überwinden.
Die Zusammenarbeit von Rabih Beaini und Pouya Pour-Amin ist eine brodelnde Mischung aus Lärm, Free Jazz und Elektronik, die für ein Ensemble aus elektronischen und akustischen Instrumenten geschrieben wurde. Der in Teheran beheimatete Komponist und Multi-Instrumentalist Pouya Pour-Amin ist ein Grenzgänger zwischen verschiedenen Musikszenen. Beaini, auch bekannt als Morphosis und als Betreiber des Morphine Labels, ist kein Unbekannter für Freunde des CTM. 2016 war er Gastkurator des Musikprogramms. In den letzten Jahren konzentriert er sich auf Begegnungen mit Musikerinnen aus unterschiedlichen klanglichen und geographischen Regionen.
CTM wird 20! Seit 1999 versteht sich das Festival, als stets nur vorläufiges Forum für den Austausch und die Vernetzung unterschiedlicher kreativer Communities. Zugleich stellt CTM einen weit geöffneten Möglichkeitsraum, in dem Menschen jeglicher Hintergründe oder Interessen kulturelle Zwischenräume finden und austesten können. Damit steht das Festival entschlossen zwischen allen Stühlen. Die beständige und ausdauernde Suche, das ergebnisoffene Experiment, Neugierde gegenüber Neuem und Unbekanntem, radikales Pluralisieren und die Verweigerung Komplexes ungebührend zu vereinfachen ohne dabei Erleben, Erfahrung und Freude an der Auseinandersetzung zu vernachlässigen – das alles macht CTM aus. Die 20. Ausgabe des Festivals ist daher weniger ein Grund zur Nabelschau, als vielmehr neuer Ansporn im Sinne dieser Haltung weiterzumachen. Trotzdem ist es natürlich keine Kleinigkeit, ein unabhängiges Festival über so einen langen Zeitraum zu erhalten und zu entwickeln. Das Festival hat sich daher unter dem Titel Persistence vorgenommen, gemeinsam mit neuen und vertrauten Künstler
innen und Partnern die ästhetischen und gesellschaftlichen Potentiale und Zumutungen von Beharrlichkeit und Flüchtigkeit, des Stetigen und des Vorläufigen zu befragen. Angesichts des polarisierenden politischen Klimas, liefert der Titel Persistence nicht nur ein passendes Sinnbild für 20 Jahre CTM Festival, sondern stellt zugleich die Frage danach, wofür es sich heute überhaupt noch lohnen könnte, beharrlich zu sein – und in welcher Form.

  • Khyam Allami: »Kawalees: Pt II«

  • Rabih Beaini & Pouya Pour-Amin Ensemble

https://www.ctm-festival.de

  • Dauer: 02:00h
  • HAU1
  • Stresemannstraße 29, Berlin