Lucy Railton
Mo, 28/01/2019, 19:00 Uhr
Konzert

CTM 2019: Thomas Ankersmit, Lucy Railton


Konzert im Rahmen des CTM 2019 Festivals – Persistence

Das Stück „Perceptual Geographies“ von Thomas Ankersmit ist eine Premiere. „Perceptual Geographies“ ist ein Begriff der 2009 verstorbenen Klangkünstlerin Maryanne Amacher, mit dem sie ihr bahnbrechendes Experimentieren mit räumlichen Arrangements klanglicher Phänomene und mit den so erreichbaren Erfahrungen beschrieb. Ankersmits Performance baut nicht nur auf Amachers umfangreichen Recherchen zur Wahrnehmung, psychoakustischen Phänomenen, der Verräumlichung von Klang und der wachsenden Rolle der Zuhörerinnen auf – sie ist anlässlich ihres 10. Todesjahres auch eine Hommage an eine außergewöhnlich kompromisslose und beharrliche Klangkünstlerin und Pionierin. In einer Zeit in der wir glauben alles bequem über Kopfhörer und Bildschirme konsumieren zu können, verschuf Amacher ihren Hörerinnen intensive, räumliche und ganzkörperliche Wahrnehmungserfahrungen, die nur im gegenwärtigen Augenblick und dem gegebenen physischen Raum möglich sind. Amacher wäre 2019 80 Jahre alt geworden. Sie hinterließ ein einzigartiges Werk und wegweisende Klangforschungen, die bisher noch zu wenig erschlossen sind.

Dieselbe Veranstaltung umfasst zudem eine Performance der Londoner Komponistin und Cellistin Lucy Railton, die in einem kontrastreichen Kaleidoskop unterschiedlicher Experimente Verbindungen zwischen elektroakustischen und modernen klassischen Entwicklungslinien aufzeigt. Ihr Debütalbum Paradise 94, das in diesem Jahr auf Modern Love erschienen ist, verknüpft Archivmaterial, Field Recordings und Studioaufnahmen. Ihr Fokus auf die Interaktionen klanglicher Details, auf psychoakustische Effekte und dramaturgische Wendungen jenseits von Konventionen, erzeugt so etwas wie ein spekulatives Mapping der Entwicklung, Mutationen und des Beharrens von Klangkulturen: „man kann erst dann anfangen, etwas so richtig aufzumischen, wenn man es wirklich kennt“.

CTM wird 20! Seit 1999 versteht sich das Festival, als stets nur vorläufiges Forum für den Austausch und die Vernetzung unterschiedlicher kreativer Communities. Zugleich stellt CTM einen weit geöffneten Möglichkeitsraum, in dem Menschen jeglicher Hintergründe oder Interessen kulturelle Zwischenräume finden und austesten können. Damit steht das Festival entschlossen zwischen allen Stühlen. Die beständige und ausdauernde Suche, das ergebnisoffene Experiment, Neugierde gegenüber Neuem und Unbekanntem, radikales Pluralisieren und die Verweigerung Komplexes ungebührend zu vereinfachen ohne dabei Erleben, Erfahrung und Freude an der Auseinandersetzung zu vernachlässigen – das alles macht CTM aus. Die 20. Ausgabe des Festivals ist daher weniger ein Grund zur Nabelschau, als vielmehr neuer Ansporn im Sinne dieser Haltung weiterzumachen. Trotzdem ist es natürlich keine Kleinigkeit, ein unabhängiges Festival über so einen langen Zeitraum zu erhalten und zu entwickeln. Das Festival hat sich daher unter dem Titel Persistence vorgenommen, gemeinsam mit neuen und vertrauten Künstler*innen und Partnern die ästhetischen und gesellschaftlichen Potentiale und Zumutungen von Beharrlichkeit und Flüchtigkeit, des Stetigen und des Vorläufigen zu befragen. Angesichts des polarisierenden politischen Klimas, liefert der Titel Persistence nicht nur ein passendes Sinnbild für 20 Jahre CTM Festival, sondern stellt zugleich die Frage danach, wofür es sich heute überhaupt noch lohnen könnte, beharrlich zu sein – und in welcher Form.

https://www.ctm-festival.de

  • Dauer: 02:00h
  • HAU2
  • Hallesches Ufer 32, Berlin