Thomas Bruns
Fr, 23/11/2018, 18:00 Uhr
Konzert / Diskurs / Workshop

„Die Finger müssen dem Gedanken folgen“ II


Schoenberg, Berg, Webern - wie man ihre Musik eigentlich spielen sollte

November 2018, 18:00 Uhr
Staatliches Institut für Musikforschung, Curt-Sachs-Saal
"Die Finger müssen dem Gedanken folgen"
Schoenberg, Berg, Webern - wie man ihre Musik eigentlich spielen sollte
Gesprächs-Konzerte mit Berthold Tuercke und dem KNM Quartett
Teil 2
Anton Webern
Streichtrio op. 20 1927
Anton Webern
Satz für Streichtrio op. posth
Mitglieder des KNM Quartett
Theodor Flindell, Violine | Kirstin Maria Pientka, Viola | Andreas Voss, Violoncello
Als vor bald 100 Jahren das Quartett des Geigers und Schoenberg-Schülers Rudolf Kolisch sich in die Interpretation der Werke Schoenbergs und seines Schülerkreises vertiefte, entdeckten diese Musiker, dass die meisten der dort im Komponierten mitgedachten Spielweisen aus dem Repertoire der klassischen Quartettkomposition stammten; was kaum verwundert, da ja die Werke selbst sich auf dem Nährboden dieser Tradition gründen.
Wenn wir heute die Aufnahmen des Kolisch Quartetts und des späteren Pro Arte Quartetts hören, sind wir frappiert von der Durchsichtigkeit und Charakteristik dieser Einspielungen – trotz simpler Aufnahmetechnik und rauschender Klangqualität. Aus den Schriften und Vorträgen Kolischs erfahren wir wenig darüber, mit welchen spieltechnischen Mitteln dieses Darstellungsniveau erreicht wird, in dem die Symbiose von Konstruktion und Ausdruck dieser Musik aufscheint. Während meines Studiums bei Kolisch und dem Bratscher seines Quartetts, Eugene Lehner, habe ich einen Einblick in die konkreten Spielweisen erhalten, in ein Spiel, wo sich Fingersätze, Strich- und Zupfarten, Vibrato und Links-Akzente aus einem empathischen Denken entlang der musikalischen Charaktere und ihrer kompositorischen Rolle ausbilden – Spielweisen, die im heutigen Interpretationsstil vergessen sind. Sie zu reanimieren führt jedoch keineswegs zu einem ‘historischen’ Stil. Im Gegenteil: Jene Art der Aufführungspraxis erweist sich als zeitlos aktuell, einzig darauf bedacht, die Charaktere dieser Musik zum Sprechen zu bringen. Wenn das gelingt, entsteht ein – damals wie heute – fesselndes Spektrum von Ausdrucknuancen, von dem Interpreten (instrumentale wie wissenschaftliche), Zuhörer und nicht zuletzt auch Komponisten zehren können. (Berthold Tuercke)

  • Anton Webern: »Satz für Streichtrio op. posth«

Mitglieder des KNM Quartett

Kirstin Maria Pientka, Viola
Andreas Voss, Violoncello
Theodor Flindell, Violine

https://www.kammerensemble.de/

  • Pausen: ja
  • Curt-Sachs-Saal, Staatliches Institut für Musikforschung (Eingang Ben-Gurion-Straße)
  • Tiergartenstraße 1, Berlin
  • Barrierefreiheit: motorische Einschränkungen
  • Ticketpreis: Eintritt frei