Mo, 12/11/2018, 19:30 Uhr
Konzert / Performance / Echtzeitmusik

Fe_male?


Ein musikalischer Schritt in die Gleichberechtigung zwischen Geschlechtern

„Fe_male?“ redet über Sexismus, Feminismus, über Gesellschaftliches, Berufliches und Privates. „Fe_male?“ ist ein Konzert umrahmt von einer audio-visuellen Performance, die die Problematik der heute noch vorherrschenden ungleichen Behandlung der Geschlechter aufzeigt. Mit „Fe_male?“ möchten wir einen Raum für die Reflexion rund um diese Problematik öffnen.

Das musikalische Programm umfasst hauptsächlich Werke von Komponistinnen, die von überwiegend Instrumentalistinnen unseres Ensembles aufgeführt werden. Auch das Dirigat des Ensembles übernimmt zum ersten Mal eine Frau, die Dirigentin Susanne Blumenthal aus Köln. Durch diese bewusste Umkehrung der offensichtlich immer noch gängigen Programmgestaltungspraxis soll verdeutlicht werden, dass ein Ausgleich der aktuellen Lage in der klassisch zeitgenössischen Musik-Szene notwendig ist.
Es wurden drei Kompositionsaufträge an Yonghee Kim, Irini Amargianaki und Alexander F. Müller vergeben. Alle drei Komponistinnen setzen sich in ihren neuen Stücken intensiv mit der Thematik auseinander und reflektieren diese aus dem jeweiligen Standpunkt heraus musikalisch. Die unterschiedlichen kulturellen Hintergründe, die unterschiedliche Klangsprache der Künstlerinnen sowie deren divergierenden Erfahrungen im Musikbetrieb versprechen kontroverse in Ton gesetzte Perspektiven.

Herzstück des Konzerts wird die Kollaboration des Ensembles mit dem .kunstKONGLOMERAT Kultur Kollektiv Bremen sein. Durch Videoeinspielungen zwischen den Werken wird ein umfassendes Bild zum aktuellen Stand der Geschlechtersituation präsentiert. Diese kleinen Episoden sind Ausschnitte von Interviews mit Freiwilligen aller Geschlechter aus mehreren Altersgruppen, in denen es sowohl um persönliche Erfahrungen als auch um Beobachtungen unserer Gesellschaft und des Musikbetriebs geht. Die daraus resultierenden Momentaufnahmen sollen die Musik komplementieren, bereichern und das Publikum direkt berühren. Die Interviews wurden anhand eines detailliert ausgearbeiteten Fragenkatalogs von der Journalistin Jumana Mattukat durchgeführt.

Die in den Interviews gestellten Fragen beleuchten die für uns zentralen Themen der Ungleichheit zwischen Geschlechtern: Von beruflicher Entfaltung und Chancen, über die Bedeutung von Erziehung und die Entwicklung eines "Geschlechterbilds" in der Kindheit, Rollenverteilung in privaten Beziehungen, bis hin zu Pornografie und häuslicher Gewalt.

Immer wieder werden Daten bekannt über den Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen, über sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, über Frauenquoten, vorwiegend männliche Regierungen und Ähnliches. Wir versuchen in diesem Themenkonzert vor allem eine Verbindung zwischen dem strukturellen Sexismus, der in unserer Gesellschaft herrscht und diesen Fakten und Schlagzeilen herzustellen.Mit unserem Projekt möchten wir die persönliche Ebene der Problematik betonen. Von Beobachtungen der "anonymen Masse" der gesamten Gesellschaft bewegen wir uns im Laufe des Konzertprogramms über immer kleiner werdende Bereiche hin zur kleinsten "Zelle": dem Privatleben. Denn genau dort, genährt durch die Erfahrungen unzähliger Generationen, liegt oftmals die Wurzel der Ungleichheit. Und ebenfalls dort befindet sich für jeden Einzelnen die größte Möglichkeit zur Veränderung.

Konzertprogramm:

  • Jamilia Jazylbekova (*1971, Kasachstan): Sfiorarsi II (2004-2006) für Flöte, Tenorsaxofon, Klavier, Schlagzeug, Viola
  • Clara Iannotta (*1983, Italien): D'après (2012) für Flöte, Klarinette, Klavier, Schlagzeug, Violine, Viola, Violoncello
  • Nahyun Lee (*1991, Südkorea): Solfège (2016-17) für Frauenstimme, Flöte, Klavier, Violoncello
  • Farzia Fallah (*1980, Iran): Lalayi (2017) ein Schlaflied für Sohrab für Streichtrio (Violine, Viola, Violoncello)
  • Irini Amargianaki (*1980, Griechenland): Die Bakchen (2018, UA) für Frauenstimme, Flöte, Klarinette, Klavier, Schlagzeug, Violine, Viola, Violoncello
  • Yonghee Kim (*1982, Südkorea): Tänze nach Art… (2018, UA) für Violine, Viola, Violoncello
  • Alexander F. Müller (*1987, Deutschland): Birth of the object (2018, UA) für Frauenstimme, Flöte, Bassklarinette, Schlagzeug, Viola + Videosampler

Besetzung:
Frauenstimme, Flöte, Klarinette, Tenorsaxofon, Klavier, Schlagzeug, Violine, Viola, Violoncello

Dirigentin: Susanne Blumenthal
Sopran: Angela Postweiler

Aufführungen
09.11.2018 – 20:00 Uhr Bremen (Weserburg – Museum für moderne Kunst)
11.11.2018 – 18:30 Uhr Hannover (Sprengel Museum)
12.11.2018 – 19:30 Uhr Berlin (Kulturbrauerei, Maschinenhaus)
13.11.2018 – 20:00 Uhr Leipzig (Kulturnhalle)

  • Irini Amargianaki: »Die Bakchen« Auftragskomposition (2018)
  • Clara Iannotta: »D'après« (2012)
  • Jamilia Jazylbekova: »Sfiorarsi II« (2004-2006)
  • Farzia Fallah: »Lalayi« (2017)
  • Alexander F. Müller: »Birth of the object« Auftragskomposition (2018)
  • Yonghee Kim: »Tänze nach Art…« Auftragskomposition (2018)
  • Nahyun Lee: »Solfège« (2016-2017)

Ensemble New Babylon Bremen

Angela Postweiler, Sopran
Susanne Blumenthal, Dirigentin

„Fe_male?“ redet über Sexismus, Feminismus, über Gesellschaftliches, Berufliches, Privates. Ein Konzert umrahmt von einer audio-visuellen Performance, die die Problematik der heute noch vorherrschenden ungleichen Behandlung der Geschlechter aufzeigt.

https://kesselhaus.net/event/658165 , www.EnsembleNewBabylon.com

  • Dauer: 2:00h, Pausen: ja
  • Kesselhaus in der Kulturbrauerei Berlin
  • Knaackstr. 97, Berlin
  • Bemerkungen zum Ort: Kulturbrauerei - Maschinenhaus