Chris Newman, copyright Anna Kott, 2018; Christian Wolff, copyright Gisela Gronemeyer, 1998; Bauern
Fr, 21/09/2018, 19:30 Uhr
Konzert / Offene Probe

CHRISTIAN WOLFF - ORIGINALTRANSKRIPTE OSTEUROPÄISCHER VOLKSMUSIK - CHRIS NEWMAN


2 Uraufführungen und ein Abenteuer

CHRISTIAN WOLFF schrieb 2017 „6 lines for CHRIS NEWMAN, another 6 lines”.

CHRIS NEWMAN: „Christians Stück klingt mehr wie ein Fundstück, als ein komponiertes Werk. Es erscheint in der Geste von Volksmusik, als würde es einfach existieren. Es ist als Monodie geschrieben, aber die Zeilen bestehen aus in sich geschlossenen Elementen, wie aus Fragmenten von Gedanken, die von Keilen, (einem Zeit-Keil) unterbrochen werden, als ob diese Fragmente in deinem Kopf koexistieren könnten. Die zweite Hälfte der „6 lines“ hat sich harmonisiert, da keine Schlüssel vorgegeben sind & ich habe jede Zeile in die drei Notenschlüssel des Streicherensembles geschrieben, für das ich diese Version gemacht habe. Aber trotz der Selbstharmonisierung gelingt es, eine monodische Qualität zu wahren, durch den neuen Satz noch mehr hervorgehoben, was die Tiefe unterstreicht, die durch die projizierte Gleichzeitigkeit der interpunktierten Zeile erreicht wird.“
„Diese Musik ist horizontal. Die Keile sind Keile in die Zeit, die sich in Schichtungen ablegen beim Hörer. Der Hörer baut die Vertikale.“ – so schließt er am folgenden Tag an.

2018 fügte CHRIS NEWMAN ein „Symphonic Spin-off“ für das Kammerorchester der Leo Kestenberg Musikschule unter Leitung von ALEXANDER RAMM hinzu.
„Symphonic Spin-off, wie es genannt wird, enthüllt die Viola- und Cellopartie einer meiner neueren Symphonien (ich glaube, Nr. 14); es ist so etwas wie ein Spaziergang durch die Mitte eines bestehenden Stückes, etwas wie ein Spaziergang durch einen Wald, aber nicht entlang eines Weges, sondern durch die Dichte des Waldes selbst. Das Stück ist eine Art Ausschnitt, als hätte man diese Passage extrahiert und als eigenständiges Ganzes präsentiert, indem man es als Muster seiner eigenen Umgebung verwendet.“

BÉLA BARTÓK und ZOLTÁN KODÁLY gehörten zu den ersten, die Bedeutung und künstlerischen Wert von VOLKSMUSIK erkannten und seit Anfang des 20. Jahrhunderts am Ort ihres Gebrauches phonografierten. – Bereits Bartók unterschied minder komplexe Bearbeitungen von hochartifiziellen Stücken, die aufregendste musikalische Kräfte entwickeln.

In unseren Tagen gehört das „Arrangement“ von Volksmusik zu den widerwärtigsten Erscheinungsformen des Missbrauchs. – Daher mag man den Begriff „Volksmusik“ gar nicht aussprechen. – Wir suchen nach den Originalen, die wir – in der rohen Schönheit ihrer Existenz – zu Gehör bringen wollen – ein großes Abenteuer!

Christian Wolff als auch Chris Newman stellen in ihrem kompositorischen Denken nicht ausgebildete Musiker ebenbürtig neben ausgebildete, oder, wie Chris Newman es einst ausdrückte: „These pieces were written for performing human beings, rather than instrument-specific musicians.“ Christian Wolff äußert sich über amerikanische Avantgarde Musik in einem Interview mit Walter Zimmermann: „Für uns hat politische Musik unweigerlich ein Element von Volksmusik mit Wiederholungen, sie ist Musik für die Massen, wohingegen Avantgarde-Musik sehr sehr wenig Zuhörer hat. (…) Und schließlich gibt es da noch etwas, (…) und das ist die Volksmusik dieses Landes.“ (Christian Wolff „Hinweise“, MusikTexte Köln, 1998) – Beide Komponisten wissen um die Gefahr der Kommerzialisierung. – Und gerade da suchen wir einen Ausweg.

Musiker, die bei der Arbeit gesungen oder nach der Arbeit gefeiert haben, das sind genau solche, die – hochqualifiziert – nicht studiert – eine Kunst immer wieder neu hervorbrachten, die man – ohne dass sie „Politkunst“ wäre – zutiefst politisch nennen kann. – Es ist auch das, was uns fehlt. – Christian Wolff: “Versteht man Musik als eine politische Handlung, so beinhaltet sie die gerechte Verteilung, den Gebrauch und das Verstehen von Macht– und diese ändern sich im Lauf der Geschichte ständig.“ (Programmnotiz Konzerthaus, Konzert am 6. Februar 1999).

  • CHRISTIAN WOLFF: »„6 LINES FOR CHRIS NEWMAN, ANOTHER 6 LINES”« Transkription für das Kammerorchester der LKMS von C. Newman, 2018 (2017, UA)

Newman: Christians Stück ist als Monodie geschrieben. Die zweite Hälfte der „6 lines“ hat sich harmonisiert & ich habe jede Zeile in die drei Notenschlüssel des Streicherensembles geschrieben. Es gelingt monodische Qualität zu wahren.

  • CHRIS NEWMAN: »SYMPHONIC SPIN-OFF« für das Kammerorchester der Leo Kestenberg Musikschule und Alexander Ramm (2018, UA)

"Symphonic Spin-off, enthüllt Viola- und Cellopartie meiner Symphonie. Das Stück ist eine Art Ausschnitt, als hätte man diese Passage extrahiert und als eigenständiges Ganzes präsentiert, indem man es als Muster seiner eigenen Umgebung verwendet.

  • : »ORIGINALTRANSKRIPTE OSTEUROPÄISCHER VOLKSMUSIK« von BÉLA BARTÓK, ZOLTÁN KODÁLY und anderen seit Anfang des 20. Jh. gesammelt

KAMMERORCHESTER LEO KESTENBERG MUSIKSCHULE

ALEXANDER RAMM, Dirigent

Wir spielen OriginalTranskripte aus Bartoks und eventuell weiteren Sammlungen.

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  • 7hoursHAUS19 Raum für Kunst und Künstler
  • Reinhardstraße 18-20, Berlin
  • Bemerkungen zum Ort: 7hours arts & concerts HAUS 19, Eingang über REINHARDTstr. 18 - 20, rechts neben BOROS, im Park Campus Nord HUB, bitte Lageskizze auf 7hours.com beachten
  • Barrierefreiheit: Sehbehinderung und Blindheit / motorische Einschränkungen / kognitive Einschränkungen
  • Ticketpreis: Sepnderticket 12, ermäßigt 8 Euro
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