Abel Gance, J’accuse, 1918/19, Filmstill © Lobster Films, Paris
Fr, 14/09/2018, 20:00 Uhr
Konzert

Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin: Film & Live-Musik


Musikfest Berlin

In seinem öffentlichen Brief „J’accuse…!“ („Ich klage an…!“), der in der Dreyfus-Affäre zu einer entscheidenden Wendung führte, klagte Emile Zola 1898 die ungerechte Verfolgung des jüdischen Offiziers Dreyfus an. Als Abel Gance 20 Jahre später seinen gleichnamigen Film „J’accuse“ drehte, war der Ausspruch längst zu einem geflügelten Wort für eine kritische Stellungnahme geworden. Noch während der erste Weltkrieg andauerte, in dem Abel Gance aufgrund einer Tuberkuloseerkrankung nur kurzzeitig diente, begann der junge Regisseur mit den Dreharbeiten zu seinem pazifistischen Werk. Basierend auf dem Theaterstück „Miracle à Verdun“ von Hans Chlumberg erzählt Gance von einer Dreiecksbeziehung in den Wirren des Krieges, wobei er das Melodram mit dokumentarischen Sequenzen von den Schlachtfeldern nahe Verdun verbindet. Die wohl berühmteste Szene des Films – die Vision der Auferstehung der Toten – drehte Gance mit 2000 französischen Soldaten. Diese standen kurz vor ihrem Einsatz in Verdun, der für die meisten der jungen Männer den Tod bedeutete, wodurch eine gleichermaßen intensive wie erschreckende Verquickung der filmischen Ebene mit dem realen Kriegsszenario entsteht. Die rekonstruierte und restaurierte Fassung des Stummfilms, die 2007 von Lobster Films Paris in Zusammenarbeit mit dem Eye Film Museum Amsterdam umgesetzt wurde, feierte 2014 im Pariser Salle Pleyel Premiere. Eigens dazu komponierte Philippe Schoeller eine neue Filmmusik, mit der er sich auf die Suche nach einer emotionalen Synthese zwischen Auge und Ohr begibt. Die Musik für großes Orchester und virtuellen Chor gibt dem bildgewaltigen Film, der so kunstvoll mit Kameratechnik, Kadrierung und Licht spielt, eine weitere, expressive Ebene und lässt das Orchester in unerwarteten Klangfarben ertönen.

  • Abel Gance: »J’accuse (Ich klage an)« Stummfilm mit Live-Musik für großes Orchester und virtuellen Chor (1918/19)

Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin

Frank Strobel, Leitung