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Fr, 07/09/2018, 20:00 Uhr
Konzert

Münchner Philharmoniker: Zimmermann/Bruckner


Musikfest Berlin

Hier treffen sie noch einmal aufeinander, die beiden großen Katholiken, mit ihren letzten Werken. Anton Bruckner konnte seine Neunte, die er „dem lieben Gott“ widmete, nicht vollenden. Bernd Alois Zimmermann ging nach Abschluss der Ekklesiastischen Aktion „Ich wandte mich und sah an alles Unrecht, das geschah unter der Sonne” aus dem Leben. Bruckner wird ein naiver Glaube nachgesagt; Zimmermann war dagegen ein Zweifelnder, Suchender, das zutiefst skeptische Buch der Bibel, den Prediger Salomo, las er besonders gern und zog es nicht nur einmal für seine Kompositionen heran. Hört man die Musik der beiden Künstler, die fast ein Jahrhundert trennt, dann verschiebt sich zumindest die Einstellung zu Bruckner. Seine Symphonien, vor allem seine letzte, sind alles andere als naiv. Der harte Siebenklang, den der langsame Satz mit gnadenloser Konsequenz ansteuert, ohne ihn aufzulösen, kann als jener Notschrei der Menschheit gehört werden, in dem Schönberg den Ursprung aller Kunst und allen Kunstbedürfnisses erblickte. Er hallt verstärkt in Mahlers Zehnter Symphonie und in Alban Bergs Violinkonzert nach. Dort führt er zum Zitat eines Bach-Chorals, eben jenes Chorals, mit dem Zimmermann seine Ekklesiastische Aktion beschließt: „Es ist genug! Herr, wenn es dir gefällt, so spanne mich doch aus.“
In der Ekklesiastischen Aktion, die nach der Absicht des Komponisten auch stilisierte theatralische Elemente enthalten sollte, ist die Idee des Gesamtkunstwerks auf ihre knappste Ausdrucksform gebracht. Zwei Sprecher sind beteiligt, sie rezitieren nicht nur Biblisches, sondern auch einen Auszug aus Dostojewkis „Großinquisitor”, und zwar jene Stelle, an welcher der Titel „held“ mit dem auf die Erde zurückgekehrten Christus zusammentrifft. Ihr Disput bringt keine Versöhnung, keinen Ausgleich. Der Verfolger und der, der einst selbst verfolgt wurde, kommen nicht überein; das Göttliche und das Menschliche vertragen sich am Ende nicht und können doch ohne einander nicht sein. Was treibt einen zu Gott, an den man glaubt, weil es ihn nicht gibt? Mit den Münchner Philharmonikern und Valery Gergiev gehen Künstler dieser ewigen Seinsfrage nach, deren gemeinsame Stärke die bedingungslose Intensität ist.

  • Bernd Alois Zimmermann: »Ich wandte mich und sah an alles Unrecht, das geschah unter der Sonne« (1970)
  • Anton Bruckner: »Symphonie Nr. 9 d-Moll« (1894)

Münchner Philharmoniker

Valery Gergiev, Dirigent
Georg Nigl, Bariton
Michael Rotschopf, 1. Sprecher
Josef Bierbichler, 2. Sprecher

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  • Einführung: 19:00
  • Philharmonie
  • Herbert-von-Karajan-Str. 1, Berlin
  • Barrierefreiheit: Sehbehinderung und Blindheit / motorische Einschränkungen / Hörbehinderung / kognitive Einschränkungen