Cold © Ben Seidelman, at: www.thephotoargus.com/35-gorgeous- examples-chiariscuros
Di, 04/09/2018, 20:00 Uhr
Konzert

Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam


Musikfest Berlin

Zwei Arten musikalischer (Raum-)Erfahrung werden im Konzertprogramm des Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam unter der Leitung von Daniel Gatti durchgespielt, die extensive und die intensive. Die extensive drängt in die Weite, und zwar in allen Bereichen des komponierten Werkes: in Klang, Form, Zeit, Gedankenschichtung und Gestaltmetamorphosen. Bruckners Symphonien führen das expansive Erschließen eines musikalischen Raumes mustergültig vor, jede auf ihre Weise. Die Dritte, die „Wagner-Symphonie“, holt dabei in ihrer ersten Fassung am weitesten aus. Sie beschränkt sich nicht auf ihr angestammtes Gebiet. Bruckner widmete sie dem verehrten Musikdramatiker, und er unterstrich dies durch eine Reihe von Zitaten vor allem aus „Tannhäuser”, seiner ersten, überwältigenden Begegnung mit „dem Meister”, wie er ihn nannte, und dessen Tonsprache. Theatralisch Erfundenes holte Bruckner in die reine Instrumentalform, den dramatischen Fingerzeig des Bühnenwerkes verwandelt er in den Stoff einer orchestralen Erörterung. In der späteren Fassung tilgte der Komponist die ausdrücklichen Hinweise auf Wagners Opern, eine „Wagner-Symphonie“ blieb die Dritte dennoch. Die frühe Version bietet den Vorzug kühner Unmittelbarkeit und unverstellter Deutlichkeit, sie gewährt einen Einblick in das Laboratorium Bruckners. In ihren Dimensionen und mit ihrer Kombination von erfundenem mit vorgefundenem Material wirkt sie wie ein Manifest jener „neuen Symphonie“, die Gustav Mahler und sein früh verstorbener Freund Hans Rott auf ihre Fahnen schrieben. Die intensive Erfahrung sucht dagegen nach Mitteln und Wegen, die Vision des großen Raumes in eine Art Magnetkern zu bannen. Weberns kurze Streicherstücke sind Meisterwerke solcher Verdichtung, bei der eine Geste einen ganzen Gedankenkomplex vertritt. Alban Berg durchkreuzt mit seinem „Altenberg-Liedern” das Pathos des Erhabenen, ohne vom Kunstanspruch etwas zurückzunehmen. Alban Bergs „Altenberg-Lieder” bannen die Passionen und Ekstasen von Wagners Musikdramen in epigrammatische Kürze, in eine Romantik unter Hochdruck.

  • Anton Webern: »Fünf Sätze für Streichquartett op 5« Fassung für Streichorchester (1909/1929)
  • Alban Berg: »Fünf Orchesterlieder« für mittlere Stimme und Orchester op. 4 (1912)
  • Anton Bruckner: »Symphonie Nr. 3 d-Moll« (Fassung 1889)

Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam

Daniele Gatti, Dirigent
Anett Fritsch, Sopran

https://www.berlinerfestspiele.de/de/aktuell/festivals/musikfest_berlin/programm_mfb/mfb18_programm_gesamt/mfb18_veranstaltungsdetail_244757.php

  • Einführung: 19:00
  • Philharmonie
  • Herbert-von-Karajan-Str. 1, Berlin
  • Barrierefreiheit: Sehbehinderung und Blindheit / motorische Einschränkungen / Hörbehinderung / kognitive Einschränkungen