Simplonstraße (1914–1918) Wikimedia Commons
Mo, 03/09/2018, 20:00 Uhr
Konzert

Ensemble Modern Orchestra


Musikfest Berlin

Manchmal muss es wohl still werden um Kunst, damit man sie wieder in ihrer Unmittelbarkeit erlebt. Die Werke Anton Weberns waren im Konzertleben der letzten Jahrzehnte sparsam, ja immer sparsamer vertreten, nachdem sie dreißig, vierzig Jahre zuvor noch als Referenzgröße des modernen Bewusstseins galten. Enno Poppe ist selbst Komponist, und als solcher darauf aus, Überliefertes neu zu lesen, besonders das, was zur Geschichte wurde, ohne dabei das Befremdende, sprich: Erneuernde abgelegt zu haben. Die Passage durch Weberns Œuvre beginnt und endet mit Variationen, mit Werken, an denen der Disput über die Ästhetik des Komponisten beispielhaft ausgetragen wurde. Sie führt zu Liedern, zum Gesang, der sich verströmen will, auch wenn er sich kurz fasst; zu den dichten Instrumentalstücken, die auf den erfüllten ästhetischen Augenblick aus sind. Was diese Werke verbindet, was sie trennt, was den Schritt vom einen zum nächsten motiviert, ist Sache der hörenden Erfahrung – vergleichbar mit der Haltung des Flaneurs, der wachen Sinnes durch die (Kunst-)Welt geht.
Den zweiten Teil bildet ein Werk, das als großes Kontinuum erfahren werden will, und doch in dem Bewusstsein komponiert wurde, dass das Kontinuum, das ständige Weitergehen, die Veränderung, also die Diskontinuität verlangt, um wahrgenommen werden und wirken zu können. „Passage heißt Durchgang, alles ist Durchgang, Wahrheit ist nur im und als Übergang zu haben”, meinte Mathias Spahlinger, der Stück und Titel mit einem doppelten Vergleich umriss: mit dem Bild von Schaufenstern in einer Ladenpassage, an denen man immer wieder vorbeikommt, und mit dem Bild einer Landschaft, durch die man wie in Spiralen hindurchgleitet. Für Komponisten wie Enno Poppe repräsentiert „passage/paysage” ein Jahrhundertwerk, das vergleichbar mit dem „Sacre” von Igor Strawinsky Bisheriges außer Kraft setzte.

  • Anton Webern
  • Mathias Spahlinger: »passage/paysage« für großes Orchester (1988-1990)

Ensemble Modern Orchestra

Enno Poppe, Dirigent
Ueli Wiget, Klavier
Caroline Melzer, Sopran

https://www.berlinerfestspiele.de/de/aktuell/festivals/musikfest_berlin/programm_mfb/mfb18_programm_gesamt/mfb18_veranstaltungsdetail_244697.php

  • Einführung: 19:00
  • Philharmonie
  • Herbert-von-Karajan-Str. 1, Berlin
  • Bemerkungen zum Ort: 17:00 Uhr Ausstellungsfoyer des Kammermusiksaals „Quartett der Kritiker” über Anton Webern Eintritt frei
  • Barrierefreiheit: Sehbehinderung und Blindheit / motorische Einschränkungen / Hörbehinderung / kognitive Einschränkungen