Mi, 04/07/2018, 20:00 Uhr
Musiktheater / Oper

Ein Portrait des Künstlers als Toter

Die persönliche Geschichte des Schauspielers Daniele Pintaudi beginnt mit einem Gerichtsverfahren wegen einer Wohnung in Argentinien, die ein Verwandter von ihm 1978 erworben hatte. Die während der Militärdiktatur enteignete Wohnung gehörte einst Franco Bridarolli, einem jungen Komponisten, dessen Familie jetzt die Rückgabe fordert. Um an dem Verfahren mitzuwirken, aber auch um für ein Theaterprojekt zu recherchieren, reisen Pintaudi und der Autor Davide Carnevali 2015 nach Argentinien. Dort stellt sich heraus, dass Bridarolli zum Zeitpunkt seines Verschwindens an den Kompositionen eines deutschen Juden arbeitete, der seinerseits während des Nationalsozialismus in Deutschland verschwand. Kurioserweise ähneln sich sowohl die Biografien als auch die – hier erstmals öffentlich aufgeführten – Werke der beiden Komponisten in vielen Punkten. Auch ihr Verschwinden weist gewisse Analogien auf.
Das Projekt kreist um die Abwesenheit des Körpers des desaparecido, des verschwundenen Menschen, und dessen Schicksal - Deportation, Gefangenschaft und Tod - ungewiss bleibt. Wie kann man dem, der zum Schweigen gebracht wurde, die Stimme wiedergeben? Wie kann man die Kunst dem Künstler, dessen künstlerischer Ausdruck verboten wurde, zurückgeben? Und vor allem: Wie kann man seinen verschwundenen Körper wieder ans Licht bringen?

Davide Carnevali, Inszenierung
Charlotte Pistorius, Ausstattung
Roman Reeger, Dramaturgie
Daniele Pintaudi, Schauspieler, Klavier

https://www.staatsoper-berlin.de/de/veranstaltungen/ein-portraet-des-kuenstlers-als-toter.128/#event-601

  • Einführung: Werkeinführung 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn
  • Staatsoper Unter den Linden | Neue Werkstatt
  • Hinter der katholischen Kirche 1, Berlin
  • Barrierefreiheit: motorische Einschränkungen