Eric Besnier
Fr, 19/01/2018, 22:00 Uhr
Konzert

Christophe Desjardins


Ultraschall Berlin - Festival für neue Musik

Drei Solo-Recitals ziehen einen roten Faden durch das Wochenende bei Ultraschall Berlin. Der französische Bratschist Christophe Desjardins macht den Anfang. Die vier Werke seines Konzerts, zwei davon mit Elektronik bzw. Zuspielung, zwei unplugged, umreißen ein breites Spektrum und bringen Musik mit Sprache, Literatur und Philosophie in Verbindung.
Auf die alte Form des Ricercare greift Jonathan Harvey zurück und entwickelt mit elektronischen Mitteln einen fünfteiligen Kanon. Dem Gewicht eines Gedankens spürt der italienische Komponist Marco Stroppa in seinen "Reflexionen" für Viola solo nach. In sechs Abschnitten, deren sechster seine Uraufführung erlebt, kreist er um philosophische Fragen.
Emmanuel Nunes‘ "Improvisation II" entstand als Vorstudie für ein geplantes Musiktheater zu Fjodor Dostojewskis Erzählung "Die Sanfte". Die Bratsche ist Doppelgänger der Titelheldin, die unter ihrem sadistischen Mann leidet, »eine Improvisation über die verschiedenen Aspekte ihres Charakters, die sich in der spannungsvollen Beziehung zu ihrem Mann ganz unterschiedlich entwickeln« (Emmanuel Nunes). "Messagesquisse" von Pierre Boulez, komponiert als Geburtstagsgruß für Paul Sacher, ist eine Botschaft ohne Worte. Ursprünglich für Violoncello komponiert, lässt sich Boulez‘ Charakterisierung auch auf die Version für Viola und Zuspielung übertragen: "allein, ausschließlich / fähig, sich selbst zu reflektieren / fähig, sich wirklich zu vervielfachen".

  • Jonathan Harvey: »Ricercare una melodia« für Viola und Elektronik (1984)
  • Emmanuel Nunes: »Improvisation II - Portrait« für Viola solo (2003)
  • Marco Stroppa: »Il peso di un pensiero« Riflessioni per viola solo (2015)
  • Pierre Boulez: »Messagesquisse« Version für Viola und Zuspielung (2000)

Christophe Desjardins, Viola

http://www.ultraschallberlin.de

  • Heimathafen Neukölln
  • Karl-Marx-Str. 141, Berlin
  • Ticketpreis: 15 Euro (erm. 10 Euro)